Pressespiegel


24 Juni 07 / Göttinger Stadtinfo

Studierendenwerk will Selbstverwaltung abschaffen


Das Studierendenwerk vermietet u.a. Zimmer in Häusern die in den siebziger Jahren besetzt worden waren und wo durch Verhandlungen eine Selbstverwaltung der Häuser durchgesetzt wurde. Dazu gehören die Häuser im Kreuzbergring, in der Roten Straße, der Burgstraße, Goßler Straße und in der Gotmarstraße. Nach der "Flurbereinigung" des Universitätsbetriebes, der stromlinienförmigen Ausrichtung des Sutdienbetriebes und der Erhöhung des ökonomischen Drucks durch Studiengebühren erscheinen solche kollektiven Wohnstrukturen im universitären Umfeld offensichtlich als "nicht der gewünschten Ordnung entsprechend". Gerade in den oben genannten Häusern wird oft durch Transparente an den Fenstern zu aktuellen politischen Ereignissen Meinung kundgetan.

Die selbstverwalteten Studihäuser, die aus Hausbesetzungen und anschließenden Entwicklungen hervorgegangen sind, sind auch Orte politischer Kollektivität.

Dies zeigen nicht nur z.B. die neben abgebildeten Fotos mit Transparenten sondern auch die Veranstaltungen wie z.B. das Ringfest in den Häuern am Kreuzbergring und der Goßler Str.

Nun will das Studiwerk die Selbstverwaltung dieser Häuser abschaffen. Dies hatte man bereits 1977 schon einmal probiert, war aber an einer Gegenkampagne gescheitert. Nun folgt also der erneute Versuch, kollektive selbstverwaltete Wohnstrukturen aufzulösen - so wie jeglicher Freiraum in der Universität Schritt für Schritt eingeschränkt oder abgeschafft wurde (Freiraum im AStA, Kollabs, Flugblatt verteilen und Plakate aufhängen). In Zukunft will das Studierendenwerk nur noch Einzelmietverträge mit den BewohnerInnen der Zimmer abschließen und ihnen so die Gestaltungsmöglichkeit von Kollektivität aus der Hand nehmen. Durch eine Wohnzeitbegrenzung komplemetär zur Studienzeitdrängelei will sie darüber hinaus nicht nur die Wohn-Zusammensetzung an sich, sondern auch deren Änderungsgeschwindigkeit bestimmen. Damit hat sie es in der Hand, entstehende politische Unruheherde lahmzulegen. So sieht das auch die neu entstandene Initiative "Here to stay. Selbstverwaltete Strukturen verteidigen" die sich für ca. 100 BewohnerInnen der betroffenen Häuser einsetzt und meint: "Die linke Szene, wie sie derzeit in Göttingen vorzufinden ist, mit ihren Treffpunkten, kulturellen Aktivitäten und einer Vielzahl an politischen Gruppen kann nicht einfach als gegeben vorausgesetzt werden: sie bedarf nicht zuletzt solcher selbstverwalteten Wohnformen. Brechen diese weg, besteht die Gefahr, dass auch Göttingen zu einem studentisch geprägten Provinzkaff mit öde konformistischem Klima wird, wie dies in manch anderer einstmals "linken Unistadt" schon längst geschehen ist." ( Quelle )

In einer Pressemitteilung vom 24.5.07 teilt die neu gegründete Initiative mit, dass sich die "BewohnerInnen der betroffenen Häuser vernetzt" haben und " die sofortige Rücknahme der Kündigungen und deren Androhung sowie den Erhalt des Status Quo" fordern.


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